Nicht nur durch digitale Technologien und schnell fortschreitende Veränderungen in den globalen Marktverhältnissen. Die alltäglichen Sorgen werden Mittelständlern nicht ausgehen, ganz im Gegenteil. Der zukünftige Fortschritt muss härter als jemals zuvor verdient werden. Innovationen stellen dabei einen grossen Bereich dar, der als tragende Säule den Wettbewerb fördert, aber auch seinen Tribut von Unternehmern fordert, die den Anschluss verpassen.
Unter der Last der unsicheren Zukunft für Betriebe und Beschäftigte rückt nun die Präsenzpflicht in den Fokus von Interessenvertretern und Managern. Sie sagen, nur so seien echte Innovationen zu schaffen, und die werden dringend gebraucht. Aber stimmt das so wirklich?
Mitarbeiter im Büro bedeuten mehr Innovationen
Bei Personalverantwortlichen ist agiles Denken kein neuer Begriff. Doch erst jetzt findet sich dieser auch in den Chefetagen der mittelständischen Betriebe. Innovationen können nur dann entstehen, wenn Mitarbeiter motiviert sind. Die damit verbundenen Wettbewerbsvorteile kommen erst dann zum Tragen, wenn die Effizienz in der Wertschöpfungskette steigt. Und viele Chefs sehen genau darin den kritischen Punkt und weisen darauf hin, dass man im Homeoffice nicht für echte Innovationen sorgen kann.
Die Einbindung der Mitarbeiter wird auch als Intrapreneurship bezeichnet. Dieser Begriff beschreibt den Austausch von Ideen unter Nutzung digitaler Tools und der aktiven Mitarbeit der Beschäftigten. Am Ende sollen Freiräume für Experimente und Anreize zur Entwicklung von Innovationen entstehen. Unternehmer benötigen solche Alleinstellungsmerkmale, die durch die Vorgehensweise entstehen, denn sie brauchen mehr denn je Wachstum und Marktanteile.
Kampf um Innovationen belastet Mittelstand
Der Fachkräftemangel belastet weiterhin die Personalsuche und verschafft solchen Organisationen Vorteile, die sich nicht nur auf die Problematik eingestellt haben, sondern dieser auch mit strategischen Massnahmen begegnen. Die Beschäftigten werden aufgefordert, ihr Homeoffice zu verlassen und zurück ins Büro zu kehren. Dort, so der Wunsch, lassen sozialer Austausch, Kundenkontakte und persönliche Gespräche die Ideen nur so sprudeln.
Genau von diesen Innovationsschüben könnte der Mittelstand profitieren, denn in dieser Unternehmensklasse ist der Kampf um Marktanteile besonders stark ausgeprägt. Nachdem die Automobilbranche einer starken Wandlung unterzogen wurde und die geopolitischen Verschiebungen bestehende Konzepte durcheinanderbrachten, muss sie sich neu aufstellen. Beschäftigte müssen dabei aktiv, aber auch proaktiv mitwirken, damit der Wandel gelingen kann.
«Stirbt das Homeoffice jetzt aus?», fragen sich viele Schweizer. Nein, aber sein Angebot dürfte sich seitens der Betriebe in den nächsten Monaten weiter reduzieren. Schon heute finden Bewerber und solche, die den Arbeitsmarkt nach potenziellen Stellen durchsuchen, kaum noch Angebote mit mehr als 1 oder 2 Tagen Homeoffice pro Woche. Vielmehr sind es zunehmend Stellenausschreibungen ganz ohne solche Angebote.
KI ist führender Treiber für Innovationen
Innovationen werden von Experten wie dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) als zentrales Mittel angesehen, um die Wachstumsschwäche der Volkswirtschaft anzukurbeln. Das Beratungsunternehmen Accenture ist überzeugt, dass Innovationen Treiber für wirtschaftliches Wachstum sind. Viele führende Experten sehen vorrangig KI als wichtigen Treiber für Innovationen.
In einer Zeit zunehmender geopolitischer Unsicherheiten war es noch nie so wichtig, Europas Produktivitätslücke zu schliessen. Die Schweiz nimmt hier eine Vorreiterrolle ein, doch auch wir müssen das volle Potenzial der KI ausschöpfen, sagt Mauro Macchi, CEO von Accenture in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.
Doch wie bringen die Unternehmen nun ihre wichtigste Ressource im Unternehmen, die Beschäftigten, mit KI zusammen, und wie können daraus am Ende wichtige Innovationen entstehen? Kollaborative Intelligenz wird der Zusammenschluss von Mensch und KI genannt. In betrieblichen Strukturen gibt es viele Anwendungen, bei denen KI-Tools durch, mit oder von Mitarbeitern gesteuert werden. Dies bedingt jedoch häufig die reale Anwesenheit im Büro, in einem Prüflabor oder bei gemeinsamen Meetings. Die Videokonferenz kann hier nicht ausreichend für die Forschung dienlich sein und Produktinnovationen geraten durch die Verzögerungen häufig in eine Art Endlosschleife.
Unternehmen brauchen Innovationen – der Druck steigt
KI-Agenten gewinnen in Organisationen an Bedeutung. Von Verbesserungen der Lieferketten, über die Kreditverarbeitung bis zur Bearbeitung von Versicherungsschäden. Schier unendlich scheinen die Möglichkeiten und Anwendungen zu sein. Wenn Mitarbeiter nur nach Plan arbeiten und ihre Pflicht erfüllen, können keine effektiven Verbesserungen entstehen. Doch häufig basieren Innovationen auf Ideen, die aus Problemen entstanden sind. Auf der Suche nach Lösungen finden sich meist Optimierungspotenziale, und mit dem richtigen Vorgehen führen diese auch oft zu Innovationen.
Die Schweiz hat auch im Global Innovation Index 2024 der Weltorganisation für geistiges Eigentum den Spitzenplatz inne, zum 14. Mal in Folge. Sie belegt sowohl bei den Wissens- und Technologie- als auch bei den Kreativleistungen den ersten Platz.

https://www.greaterzuricharea.com/de/news/schweiz-ist-zum-14-mal-innovativstes-land-der-erde
Die Schweiz und die Greater Zurich Area gelten als ein Aushängeschild in der Welt. Als Hotspot für Innovationen. Auch im vergangenen Jahr, also 2025, konnte sich die Schweiz gegenüber anderen Volkswirtschaften durchsetzen und den Titel zum 15. Mal in Folge erhalten. Die Schweiz ist besonders als globaler Hotspot für KI, Robotik und Deep Tech Innovation führend. Dennoch haben hierzulande viele Unternehmen Homeoffice-Angebote für ihre Beschäftigten.
Scheinbar sind Innovationen auch möglich, wenn der Arbeitgeber flexible Modelle für Beschäftigte anbietet. Allerdings gehört beispielsweise auch eine lebendige Start-up-Szene zu den Voraussetzungen für eine innovative Unternehmenskultur. Sie ist aber häufig digital bestens aufgestellt und bietet flexible Arbeitszeitmodelle für Fachkräfte an, um im Wettbewerb um neue Mitarbeiter vorn dabei zu sein.
Es kann also gelingen, innovativ zu sein und flexibel zu sein. Klar ist aber auch: Es hängt viel von der Branche und den Rahmenbedingungen ab. Wer im 3-Schicht-Betrieb arbeitet, hat keine Möglichkeit zum Homeoffice, kann aber unter Umständen nur wenig zu Innovationen beitragen. Und ein Mitarbeiter, der 5 Tage die Woche im Büro präsent ist, aber wenig Motivation hat, wird ebenfalls kaum Innovationen fördern.
Ein ganzheitlicher Ansatz bei der Unternehmenskultur ist also die beste Voraussetzung, um Innovationen entstehen zu lassen und Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Nur so kann die Zukunft gelingen, denn beide Aspekte benötigen einander.


