Für den Mittelstand erweist sich die Digitalisierung als Segen und Fluch. Nicht nur die Betriebe in der Schweiz haben mit den Herausforderungen zu kämpfen. Das Personalmanagement wird von intelligenten Technologien besonders stark beeinflusst. Es gibt zahlreiche Vorteile, die zweifelsohne ein Segen für das stark administrative und personalintensive HR sind. Allerdings stehen auch Hürden an, die sich nicht immer mit der digitalen Transformation unterstützen lassen. Gute Führung hat nicht nur mit einem guten Betriebsklima zu tun. In Zeiten leergefegter Arbeitsmärkte geht eine gute Führung weit über diesen Aspekt hinaus.
Gute Führung im Unternehmen richtig planen!
Im privaten wie im beruflichen Umfeld begegnen uns täglich eine Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten. Dies muss bei der Planung von Massnahmen zur Implementierung oder Optimierung von dem, was allgemein unter «guter Führung» verstanden wird, berücksichtigt werden. Die zahlreichen Qualitäten, die einer als gute Führungskraft bezeichneten Fachkraft zugestanden werden, sind wichtig. Es gilt allerdings, im Vorfeld eine Selektion vorzunehmen, und zwar eine Vorauswahl, die an die individuellen Gegebenheiten der Organisation angepasst ist.
Die Basis ist die Grundlage der weiteren Planung. Bevor die Strategie erstellt wird, gilt es, die Ressourcen im Betrieb zu sichten. Dazu gehört nicht nur die Ressource Manpower, also die Anzahl der HR‑Mitarbeiter. Auch das Wissen ist eine Ressource, die massgeblich darüber bestimmen kann, wie erfolgreich die Vision guter Führung umgesetzt werden kann. Fehlt das notwendige Know-how, muss ein Status quo ermittelt werden. Dieser erlaubt den Zukauf externer Ressourcen oder unter anderem das Beauftragen von internen Weiterbildungen für das bestehende Personal.
Danach ist das Produkt am Zuge. Mitarbeiter sollen sich im Idealfall mit den verkauften Produkten und Dienstleistungen identifizieren können. Sie müssen also von ihrer Qualität, der Leistung der Produktentwicklung und auch dem herrschenden Führungsstil überzeugt sein. Diese Überzeugung muss zunächst sichergestellt sein. Hier kann nicht alleine gute Führung verantwortlich sein. Die einzelnen Maßnahmen greifen ineinander oder bauen logisch aufeinander auf.
Ebenfalls in die Vorplanung gehört die vorherrschende Hierarchie in der Organisation. Sie muss berücksichtigt werden. Das beinhaltet auch die Betriebszugehörigkeit der Belegschaft. Wer 40 Jahre lang in einer Position tätig war, könnte sich mit plötzlichen Neuerungen schwertun. Ist die innere Struktur von starren Hierarchien geprägt, sind Schwierigkeiten zu erwarten, wenn das Management plötzlich alles über den Haufen werfen will.
Wie sieht gute Führung im Betrieb aus?
Ein gut strukturiertes HR-Team ist unabdingbar. Wie bereits erwähnt, kann es notwendig sein, externe Berater und Recruiter zu engagieren, die bei der Realisierung helfen. Vor allem spezialisierte Personalrecruiter sind heutzutage moderne Dienstleister, die vielfach digitale Kompetenzen besitzen und nicht nur die Suche nach Fachkräften unterstützen, sondern auch die entsprechenden Qualifizierungen inhouse durchführen können.
Wie sieht aber nun eine gute Führung aus? Ein Betrieb ist dann gut geführt, wenn:
- sich die Beschäftigten wohlfühlen,
- eine hohe Wertschöpfungsquote vorliegt,
- die Fluktuation niedrig ist,
- Krankmeldungen und Ausfälle unter dem Durchschnitt liegen,
- alle mit ihrem Gehalt zufrieden sind.
Aber ist das wirklich so? Reicht das aus, um von guter Führung zu sprechen? Wie wird gute Führung gemessen?
Die oben genannten 5 Punkte können erfüllt sein, und dennoch könnte es an guter Führung mangeln. Der Ruf des Unternehmens bei Partnern, Dienstleistern und am offenen Stellenmarkt könnte schlecht sein, auch wenn alle oben genannten Aspekte eintreten. Gute Führung geht weit über diese Eigenschaften hinaus.
Im Vorfeld definierte Ziele geben die Richtung vor. Sie lassen sich regelmäßig und transparent überprüfen. Diese Ziele sind wichtig, um über die fünf genannten Punkte herauszufinden, wie die Beschäftigten über das aktuelle Führungsmodell denken. Haben zwei Unternehmen denselben Aufbau und Erfolg, können sie dennoch unterschiedliche Führungsmodelle haben. Es gibt nicht diese eine universelle Vorgehensweise.
Klassische Werte und moderne Aspekte werden im HR der Zukunft ganz klar aufeinandertreffen. Daten sind der Treibstoff, der die digitale Wandlung von Organisationen antreibt. Ohne diese lassen sich keine Analysen durchführen, deren Ergebnisse besonders in etwas grösseren Betrieben für tiefgehende Einblicke sorgen. Intelligente Tools, digitale Anwendungen und weitere Werkzeuge der fortschreitenden Digitalisierung können mithilfe dieser Daten für besseren Work-flow sorgen.
Autonomie, Wertschätzung und eine offene Kommunikation sind laut zahlreicher Experten die Säulen für eine gute Führung. Aber auch Entwicklungsmöglichkeiten, klare Zieldefinitionen und ein fairer Umgang mit allen Teammitgliedern gehören zur Führungskultur der Neuzeit.
Nicht zuletzt umreisst gute Führung vorrangig die Vielfalt, und zwar die Vielfalt von Kunden-Persönlichkeiten, Mitarbeiter-Persönlichkeiten, und Führungskraft-Persönlichkeiten. Mit der weiter oben beschriebenen Vorplanung müssen diese Berücksichtigung finden. Kritische Phasen sind zudem unausweichlich, wenn es um individuelle Wertschätzung geht. Enttäuschungen und Spannungen müssen von guten Führungskräften sachlich und empathisch gelöst und überstanden werden.
Wie lässt sich gute Führung umsetzen?
Die gute Vorplanung läutet die Phase der Veränderungen ein. Mit der Formulierung einer Vision beginnt die Umsetzung. Individuell und in transparenten Schritten, mit einem klar definierten Ziel und einem festgelegten Zeitrahmen, werden die einzelnen Phasen realisiert. Gute Führung entsteht mit den entsprechend qualifizierten Führungskräften. Wer seinen Führungsstil verbessern will, muss sich um die Weiterbildung der bestehenden Beschäftigten über alle Ebenen kümmern. Angefangen mit dem HR, von dort sollen die weiteren Maßnahmen nach unten getragen werden.
Ergebnisse sind erst mit der Zeit zu erwarten, etwa ein niedrigerer Krankenstand oder weniger Fluktuation. Die regelmässigen Überprüfungen bringen die notwendige Datenbasis, um klare Abläufe bis ganz nach unten zu definieren und umzusetzen. Führung hat auch etwas mit dem äusseren Erscheinungsbild der Organisation zu tun. Die Auswirkungen von guter Führung sind eng mit dem Bild von Bewerbern oder der Aussenwelt verknüpft.
Schlechte Bewertungen als Arbeitgeber geben meist auch Hinweise auf Diskrepanzen der internen Führungsriege preiss. Leider ist es unheimlich schwer, sich von einem Strang schlechter Bewertungen in öffentlichen Portalen zu lösen und freizuschwimmen. Einmal auffällig schlecht dargestellt, braucht es viele Ressourcen und natürlich das Verständnis einer offenen Fehlerkultur sowie transparente Massnahmen, um wieder attraktiv für Bewerber zu sein.
In einer offenen Unternehmenskultur ist es heutzutage völlig normal, seine Meinung über den Arbeitgeber in Online-Foren oder speziellen Bewertungsplattformen, mitzuteilen. Natürlich werden diese auch häufig von interessierten Bewerbern oder anderen Beschäftigten verfolgt. Kandidaten könnten sich abgeschreckt fühlen, wenn die Bewertungen schlecht sind. Mitarbeiter tragen die Informationen der schlechten Bewertungen ins Team, worauf hin dort die Stimmung schlechter werden könnte.
Das Erscheinungsbild nach außen ist auch ein Spiegel nach innen, bei dem Stimmungen schnell wechseln können und sich negative Meinungen in mehrere Abteilungen oder Teams ausbreiten. Der Schaden solcher Bewertungen kann immens sein und sie sollte unbedingt bei der Planung passender Maßnahmen einer guten Führung berücksichtigt werden. Besser noch, es kommt aufgrund guter Führung nicht zu übermäßig negativen Bewertungen des Unternehmens als Arbeitgeber.
Typische Fehler vermeiden
Bevor sich gute Stimmung und hohe Motivation bis in die kleinste Abteilung vorgearbeitet haben, braucht man Geduld. Gute Führung profitiert am meisten von einem realistischen Zeitrahmen. Auch die Transparenz der geplanten und aktiven Massnahmen hat entscheidende Auswirkungen auf Erfolg oder Misserfolg. Und zuletzt ist es auch wichtig, dass eine gute Führung von oben beginnt. Was der Belegschaft abverlangt wird, muss zunächst die oberste Führungsriege und der Unternehmer selbst, sofern er aktiv im Betrieb tätig ist, vorleben.
Schon in wenigen Jahren wird gute Führung eines der essenziellen Kriterien für Wachstum, Marktanteile und schlussendlich auch Erfolg entscheiden. Da sich die Marktbedingungen weiter verschärfen und die Anzahl freier oder wechselwilliger Beschäftigter nicht steigen dürfte, gehört gute Führung in jede unternehmerische Strategie der Gegenwart.



