New Work braucht New Hiring

New Work braucht New Hiring

    Vom Anbieter- zum Nachfragemarkt, so lässt sich in wenigen Worten die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt beschreiben. Es macht nicht immer der Arbeitgeber das Rennen, der am meisten zahlt oder die besten Aufstiegschancen bietet. Heute sind Arbeitsbedingungen gefragt, die zum jeweiligen Lebensmodell passen und es wird viel Wert auf das Verhalten der Führungskräfte gelegt. Bewerber suchen sich also den Arbeitgeber aus, der am besten zu ihren individuellen Wünschen, Werten und Vorstellungen passt.

    Neben dem leer gefegten Arbeitsmarkt, den Belastungen durch die Babyboomer, die in Rente gehen, und den generell offenen Stellen kommt noch die Wechselwilligkeit bestehender Mitarbeiter dazu. Noch nie war deren Zahl so hoch, was die Herausforderungen für Unternehmen erschwert. Der neue Arbeitgeber ist unter Umständen nur einen Klick entfernt und der nächste Job kommt vielleicht per LinkedIn ins Postfach, ohne sich aktiv bewerben zu müssen.

    Wertewandel trifft auf klassische Personalabteilungen

    Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, gute Talente zu verlieren. Fachkräfte sind schon heute eine knappe Ressource und das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, sondern eher noch verschlimmern. Dazu kommt der Wertewandel der nachwachsenden Generationen, die die Konditionen von früher nicht akzeptieren und völlig neue Prozesse und Abläufe von Personalabteilungen einfordern.

    Personalabteilungen sind seit jeher klassisch konservativ vorgegangen, der Wandel trifft sie an der breiten Front. Nur Unternehmen, die den Managementansatz verstehen, um neue Gegebenheiten zu formen, werden überhaupt noch einen Recruitingprozess benötigen. New Hiring bedeutet aber nicht nur, den Menschen in den Fokus der Bemühungen zu stellen und seine individuellen Bedürfnisse zu befriedigen. New Hiring ist eine Chance und bildet ein neues Recruiting-Verständnis.

    Unterschiede zwischen Talenten und HR-Abteilungen

    Während Mitarbeiter aus dem HR davon ausgehen, dass Mitarbeiter den Arbeitgeber aus finanziellen Gründen verlassen, gehen laut Forsa-Umfrage „Arbeitgeberwechsel 2022 – Deutschland“ aber die Mehrheit wegen schlechtem Führungsverhalten. Die Umfrage hat auch gezeigt, dass HR-Abteilungen die starke Konkurrenz durch andere Arbeitnehmer als Problem sehen, während die Talente auf der Suche nach flexiblen Arbeitszeitmodellen sind.

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    In der gleichen Umfrage zeigte sich, dass in der Schweiz 24 % der Arbeitnehmer seit Corona ihren Arbeitgeber gewechselt haben, und dies primär die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen.

    New Work braucht neue Konzepte

    Es geht um zukunftsfähige Konzepte, Methoden und Tools, um Mitarbeiter zur richtigen Zeit mit den richtigen Fähigkeiten zu finden und begeistern zu können. New Work ist einer der wesentlichen Treiber für Personalabteilungen und wird zukünftig zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Es geht um eine Mischung aus klassischen Vorteilen sowie eine offene Unternehmenskultur und um die Kombination von Cultural Fit und digitalen Tools.

    Candidate Journey ist eines der neuen Konzepte, bei denen sich die Prozesse permanent auf die Bedürfnisse und digitalen Gewohnheiten der Bewerber ausrichten. Mit diesem Konzept können Unternehmen beim Kampf um Talente wichtige Punkte sammeln. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es nicht um ein Konzept geht, das verstaubte Prozesse ablöst. Die Sache muss ganzheitlich betrachtet und der Fachkräftemangel strategisch angegangen werden.

    Mit der Candidate Experience kommt ein weiteres Konzept ins Spiel. Dabei geht es um eine der Schlüsselrollen bei der Talentsuche, denn Bewerber wollen viele Details über die neue Position und den potenziellen Arbeitgeber wissen. Es kommt auf die Wahrnehmungen und Erfahrungen während des gesamten Bewerbungsprozesses an und dieser beginnt bereits bei der Veröffentlichung oder Verbreitung des Stellenangebotes. Auch die individuelle Ansprache von Fachkräften, beispielsweise über LinkedIn, muss hier berücksichtigt werden.

    Candidate Experience + Candidate Journey = New Hiring

    Die positive Candidate Experience kann für mehr Bewerber oder qualifiziertere Bewerber sorgen, wenn der gesamte Prozess von positiven Erfahrungen für Talente geprägt ist. Im Kontakt mit dem Unternehmen kommt es zu einer Vielzahl von Touchpoints, und die müssen bewusst vom Unternehmen gestaltet und gesteuert werden. So lassen sich positive Erfahrungen und Eindrücke erzeugen, die die Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

    Bei der Candidate Journey geht es um den Perspektivwechsel, denn Personaler müssen sich in die Lage der Bewerber versetzen. Dazu gehört ein persönlicher und interessanter Bewerbungsprozess über die gesamte „Reise“ des Bewerbers. Angefangen mit einfach zu besorgenden Informationen über die Stelle und das Unternehmen sowie ein klarer und verständlicher Bewerbungsprozess.

    New Hiring lässt sich über beide Faktoren messen, was die Auswertung leichter macht und Raum für Optimierungen schafft. Dafür gibt es verschiedene Phasen der Candidate Journey:

    1. Stellensuchende orientieren sich am Arbeitsmarkt, entweder mit festem Wechselwillen oder aus reinem Interesse.
    2. Eine Stellenanzeige trifft das Interesse eines Talents und er wird sich näher mit dem Angebot beschäftigen.
    3. Die eigentliche Bewerbung beginnt und der Prozess wird gestartet.
    4. Die Bedürfnisse des Bewerbers stehen jetzt im Fokus und der Arbeitgeber präsentiert seine Vorzüge anhand seiner individuellen Anforderungen und Fähigkeiten.
    5. Die Entscheidung steht an und wird dem Bewerber mitgeteilt. Sowohl bei einer Ablehnung als auch der Zusage kommt es hier auf die richtige Kommunikation auf Augenhöhe an.
    6. Bei einer Einstellung folgt die Vertragsunterschrift und das Onboarding beginnt. Der richtige Umgang, von der Begrüßung bis zum konkreten Einarbeitungsplan, dem Verhalten der Kollegen und der allgemeinen Stimmung im Betrieb, ist jedes Detail wichtig, damit sich der neue Mitarbeiter wohlfühlt und seine Rolle im Team einnimmt.

    Jede Phase kann gemessen werden, etwa durch anonyme Befragungen oder der Analyse von zuvor definierten Kennzahlen.

    Employer Branding prägt New Hiring

    Das Employer Branding ist der erste Eindruck für den Bewerber. Angesichts dessen ist es wichtig, dass eine positive Grundstimmung entsteht, die die Talente überzeugt und dass sich der potenzielle Arbeitgeber von anderen Unternehmen am Markt abhebt. Wer modern und zukunftsorientiert angesehen werden will, muss diese Aspekte auch beim Recruiting berücksichtigen. Dazu gehört nicht nur die Webseite des Unternehmens oder der Text der Stellenanzeige. Alle Kommunikationskanäle müssen bespielt werden, Video-Interviews sollten im Angebot sein und die Recruiting-Software ist auch per App zu verwenden.

    New Hiring bedeutet, neue Ansätze zu etablieren und Standards zu definieren, damit sich Bewerber von Anfang an wohlfühlen. Die neue Ausrichtung im Recruiting ist eigentlich keine Methode oder Tool, sondern ein Bewusstsein, das es gilt, in der Organisation zu etablieren. New Hiring ist die strategische Antwort auf die aktuellen Probleme am Arbeitsmarkt. Ein New Hiring Mindset schafft die Voraussetzungen, dass der Wertewandel auf allen Ebenen erfolgreich ankommt und realisiert wird.