Vor allem in der Schweizer IT-Branche ist die Zahl der Beschäftigten im Homeoffice hoch. So arbeiteten 2023 rund 9,4 % der Erwerbstätigen regelmässig von zu Hause aus, teilt das Bundesamt für Statistik (BFS) mit. Im ersten Quartal 2023 wurde diese Zahl von einem bisherigen Höchststand mit 13,9 % unterbrochen. Doch inzwischen hat sich die Rate wieder auf den Durchschnittswert normalisiert.
Bei den Stellenangeboten finden sich bei 14 % aller Inserate in der Schweiz Arbeitgeber, die Homeoffice oder hybride Arbeitsmodelle anbieten, so das Schweizer Radio und Fernsehen. Genau wie im Nachbarland Deutschland, wo die Quote bei rund 20 % aller Erwerbstätigen im Homeoffice verharrt, gibt es auch hierzulande zunehmend Zweifel an der Effizienz der Beschäftigten, die im häuslichen Umfeld ihrer täglichen Vollzeitarbeit nachgehen.
Homeoffice Ja oder Nein? Zwei Sichtweisen im Vergleich
Bei Indeed gab es im ersten Quartal 2025 nirgends so viele Möglichkeiten zum hybriden Arbeiten auf der Welt, wie in der Schweiz. Die Teleheimarbeit wird aufgeteilt in:
- Mehr als 50 % der Arbeitszeit im Homeoffice
- Gelegenheit oder weniger als 50 % der Arbeitszeit im Homeoffice
- Regelmässig, aber mehr als 50 % der Arbeitszeit im Homeoffice
- Gelegentlich
Nimmt man alle Beschäftigten dieser vier Modelle zusammen, erhält man für die Schweiz Werte von rund 36,9 % am Anteil aller Erwerbstätigen ohne Lehrlinge für 2024.

Arbeitnehmer schätzen die Flexibilität, die bessere Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Angelegenheiten und bringen vor allem ihr Familienleben mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen besser unter einen Hut. Doch es regt sich Kritik und ein Wandel am Arbeitsmarkt steht bevor.
Beim Blick auf die Global Player in den USA, beispielsweise Amazon oder die Grossbank J.P. Morgan, wird schnell klar: Es könnte einen Richtungswechsel im Umgang mit flexiblen Arbeitszeitmodellen über alle Branchen hinweg geben. Denn dort wird wieder auf Präsenz gesetzt. Microsoft führt ab Februar in Teams eine Funktion ein, mit der Arbeitgeber den Standort ihrer Beschäftigten überwachen können. Nur ein Einzelfall? Wohl kaum, es gibt die Kehrtwende zurück zur klassischen Bürokultur, die wahrscheinlich vorrangig auf dem Misstrauen der Arbeitgeber ihren Beschäftigten gegenüber basiert. Doch sind alle Mitarbeiter im Homeoffice gleich faul?
Raiffeisen Schweiz beendet grosszügige Homeoffice-Regelung
Statt vier Tage Heimarbeit bei einer Vollzeitstelle bietet dieser Schweizer Arbeitgeber nun nur noch maximal 2 Tage die Flexibilität , im Homeoffice zu arbeiten. Für 2.300 Bankangestellte heisst es seit Ende letzten Sommers, wieder mehr Präsenz in den Büros und Filialen zu zeigen. Wie ein Sprecher des Unternehmens in Blick.ch berichtet, ist man zur Übereinkunft von maximal 40 Prozent Homeoffice-Anteil gekommen. Diese Regelung zeige die höchste Effizienz, heisst es weiter.
Auch die österreichische Möbelgruppe XXXLutz und Google Schweiz, sowie Helsana, Migros-Genossenschafts-Bund und AXA Versicherungen folgen der Regelung und bieten nur noch an 2 Tagen pro Woche die Arbeit im Homeoffice an. Bei Novartis und der Post bleibt es bei flexiblen Lösungen, die jeder Beschäftigte individuell für sich festlegen kann. Coop hingegen gewährt nur noch 1 Tag pro Woche das Homeoffice.
Einige Unternehmen halten (noch) am Homeoffice fest
Der Technologiekonzern ABB zeigt, dass die Rate von bis zu 80 Prozent Homeoffice, also 4 Tage pro Woche, bei den Mitarbeitern mehr Motivation bringt. Allerdings wird eine solch grosszügige Arbeitszeitregelung auch erwartet, betont ein ABB-Sprecher laut Blick. In Vorstellungsgesprächen ist dies sogar Thema Nummer 1, wenn Bewerber nach den Rahmenbedingungen der ausgeschriebenen Stelle fragen.
Die Eigenverantwortung der Beschäftigten soll das Homeoffice stärken, davon ist etwa die Post überzeugt. In den Teams kann jeder selbst entscheiden, wie viel Präsenz und wie viel Remote-Arbeit er nutzt. Derzeit sind 12.000 von 45.000 Mitarbeitern grundsätzlich in der Lage, im Homeoffice zu arbeiten. Allerdings steht auch die Post vor einem grundlegenden Wandel, denn der Unternehmenssprecher betont:
Die gemeinsame Zeit im Büro bleibt bei der Post auch in Zukunft die dominierende Arbeitsform. Homeoffice ergänze diese als festen Bestandteil.
Der Arbeitgeberverband sowie der Gewerbeverband der Schweiz sehen keinesfalls eine rückläufige Zahl von Homeoffice-Möglichkeiten auf die Beschäftigten zukommen. Auf Anfrage des SRF heisst es: Man gehe davon aus, dass überall da, wo Telearbeit möglich sei, diese auch in Zukunft für die Beschäftigten erhalten bleibe. Allerdings entscheiden am Ende die Unternehmen, sodass man sich nicht auf ein Recht auf Homeoffice berufen könne.
Homeoffice hilft nicht im War for Talents
Einzelne Organisationen sind in der Lage und willens, ihren Beschäftigten flexible Lösungen anzubieten, und Beschäftigte haben die Auswahl aus verschiedenen Modellen. Doch die Annahme, durch die grosszügige Regelung mehr Fachkräfte zu gewinnen, hat sich nicht wie erhofft bewahrheitet.
Dieter Kläy, stellvertretender Direktor und Ressortleiter Arbeitsmarkt, Berufsbildung und Wirtschaftsrecht beim Gewerbeverband, sagte beim SRF, dass einzelne Firmen zwar mit den Lösungen gezielter potenzielle Bewerber und Fachleute anziehen, dies aber nicht flächendeckend der Fall sei. Allerdings zeigt sich auch, dass sich die Schweiz entgegen dem Trend in vielen anderen Ländern noch erfolgreich widersetzt und das flexible Arbeiten vor der Präsenzkultur setzt.
Doch Ende 2025 zeigten die Zahlen erstmals eine Veränderung, denn von den Höchstständen der vorhergegangenen Quartale und Jahre ist man weg. Das Homeoffice verliert nicht nur in der Schweiz, sondern auch international an Bedeutung. Rund 6 Prozentpunkte lässt der Wert im letzten Quartal 2025 nach und Experten gehen von weiteren Rückgängen im ersten Quartal 2026 aus.
Es entsteht ein gesunder Mix aus Präsenz und Homeoffice, der nur für ausgewählte Branchen und Organisationen geeignet ist. Mitarbeiter wünschen sich zwar weiterhin ein hohes Mass an Flexibilität, doch ist derzeit nicht erkennbar, dass dem die Wirtschaft einheitlich begegnen kann oder will. Die Suche nach einer guten Balance wird die nächsten Monate bestimmen, zeigen sich Experten einig.
Am Ende müssen die Homeoffice-Möglichkeiten immer mit den Unternehmenszielen vereinbar sein und auch die Beschäftigten entsprechend kontrolliert, aber auch motiviert und ins Team eingebunden sein, damit die Produktivität nicht leidet.



