​Ende mit dem Home-Office – zurück in die Büros!

​Ende mit dem Home-Office – zurück in die Büros!

    Wer im Home-Office tätig ist, kann häufig abends nicht abschalten und gibt sich allzu oft der Versuchung hin, doch noch schnell die E-Mails zu beantworten. Auch während der Pandemie wurde das Potenzial der Home-Office-Tätigkeit nicht vollständig ausgeschöpft. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass die Beschäftigten zwar nicht vollständig, aber wieder häufiger im Betrieb arbeiten. Auch aktuelle Mobilitätsdaten von Google Mobility zeigen, dass sich die Arbeitsmobilität nur bedingt mit dem Verlauf von Kurzarbeit und Home-Office verringert hat.

    Besonders im Bereich der Industrie und der Dienstleistungen zeigt sich eine Zunahme bei den Mitarbeitern, die zurück ins Büro kehren. Häufig sind diese Betriebe in Städten angesiedelt, wo es kurze Wege und zahlreiche Mobilitätsangebote gibt. Jobs in dieser Branche, wie in der Produktion oder dem oberen Management, erlauben häufig keine längeren Abwesenheiten der Mitarbeiter oder ermöglichen schlichtweg nicht, ihre Arbeiten vom PC aus zu erledigen.

    Auch im Handel und dem verarbeitenden Gewerbe zeigt sich die Tendenz, dass Mitarbeiter dem Home-Office den Rücken zukehren. Aber liegt das nur an der jeweiligen Branche oder ist uns schlichtweg im Home-Office “die Decke auf den Kopf gefallen”?

    ​Trotz mobiler Arbeit und Home-Office – der Trend geht zurück ins Büro

    Weltweit legen Mitarbeiter neue Maßstäbe an ihren Job. In einer Umfrage von Microsoft, dem Work Trend Index, gaben 43 % der Befragten an, sich aus der Ferne nicht in Meetings einbezogen zu fühlen. Gleichzeitig hat die Arbeit nach Feierabend um 28 % und am Wochenende um 14 % zugenommen. Das ist den Home-Office-Regelungen während der Pandemie geschuldet und zeigt, welche Gefahren durch das mobile Arbeiten drohen. Auch soziale Kontakte sind für Beschäftigte wichtiger als angenommen, denn 47 % der Befragten gaben an, dass sie durch hybrides Arbeiten weniger Freundschaften am Arbeitsplatz haben.

    Die Unternehmensberatung Ey kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass gut 80 % der in einer Studie von ihnen befragten Beschäftigten zwar die vollkommene Flexibilisierung der Arbeitszeiten begrüßt, aber gleichzeitig auch die fehlende soziale und fachliche Interaktion fürchten. Die nicht vorhandene räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatleben kommt erschwerend hinzu. Rund ein Drittel der Studienteilnehmer gibt an, die Interaktion und Dynamik bei Terminen vor Ort zu vermissen.

    Arbeitnehmer schätzen zwar einerseits die neue Flexibilität, die die Digitalisierung mit sich bringt. Andererseits sehen viele auch die mangelnden Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Personen als Hemmnis an.

    ​Wie wichtig sind soziale Kontakte am Arbeitsplatz?

    Die sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz beeinflussen unser Wohlbefinden wesentlich, entweder positiv oder negativ. Im positiven Sinne geht es um ein gutes Miteinander, ein motivierendes Teamgefüge und die bessere Unterstützung, wenn wir nicht allein am Schreibtisch sitzen. Sobald wieder völlige Normalität eingekehrt ist, wird das Büro einen sozialen Treffpunkt darstellen und das Gefühl des Zusammenhaltes enorm steigern.

    Die vergangenen Monate haben auch gezeigt, dass bei vielen Beschäftigten das Home-Office zur Erschöpfung führt. Gereiztheit und Gefühle der Isolation kommen erschwerend hinzu. Das Fehlen persönlicher Kontakte und die oftmals gestiegene Arbeitszeit könnten der Grund hierfür sein. Aber auch das Verschmelzen von Beruflichem und Privaten.

    Der TÜV-Verband kommt zu dem Schluss, dass das Home-Office auf Dauer eine psychische Herausforderung für viele Beschäftigte darstellt. In den arbeitsmedizinischen Beratungsstellen der TÜV-Unternehmen klagen immer mehr über Müdigkeit, Schlafstörungen oder stark angespannte Nerven sowie gesunkener Leistungsfähigkeit.

    Das Steiner Office-Barometer in der Deutsch- und Westschweiz mit über 1.000 Berufstätigen zeigt, dass sich zwar 9 von 10 mehr Flexibilität beim Home-Office wünschen, viele von ihnen vermissen jedoch auch die sozialen Kontakte im Büro.

    Deloitte widmete sich ebenfalls in einer Studie den Vorlieben Schweizer Beschäftigte nach der Coronakrise und fand heraus, dass von 1.500 Befragten im ganzen Land nur 34 % auch nach der Coronakrise weiterhin von zu Hause aus arbeiten wollen. 25 % der Befragten sahen ihre Produktivität durch das Home-Office gefährdet. 16 % der Teilnehmer haben zu Hause keinen eigenen Arbeitsbereich.

    ​Digitalisierung verändert Arbeitsalltag fundamental

    Seit fast zwei Jahren gehört das Arbeiten von zu Hause aus für viele Beschäftigte zum Alltag. Mittlerweile bieten 46 % der Unternehmen in der Schweiz ihrer Belegschaft das Arbeiten im Home-Office an. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass in mehr als der Hälfte der Schweizer Unternehmen Home-Office nicht angeboten wird oder nicht möglich ist.

    Zweifelsohne führt die Digitalisierung zu völlig neuen Formen des Arbeitens und Home-Office ist in vielen Branchen und Berufen durchaus sinnvoll und möglich. Aber immer mehr Studien kommen zu dem Ergebnis, dass mit der Zeit die Motivation im Home-Office nachlässt. Auch die unzureichende Infrastruktur der Betriebe ist häufig ein Grund, dass Mitarbeiter ins Büro zurückkehren.

    Wie bereits in den Zahlen oben angedeutet, hat nicht jeder Beschäftigte den notwendigen Platz und die Ausstattung mit Büromöbeln, um gleichwertig produktiv zu arbeiten. Viele Beschäftigte leiden darüber hinaus unter der doppelten Belastung durch Aufgaben im Job und privaten Angelegenheiten wie pflegende Angehörige oder zu betreuende Kinder.

    ​Daran scheitert häufig das Home-Office

    1. Fehlende digitale Infrastruktur wie Internetverbindung, Hardware oder Drucker. Die Technik muss gleichwertig mit den Arbeitsbedingungen im Büro sein. Die Ausstattung des Home-Office ist Aufgabe des Arbeitgeber und das gilt sowohl für die Hardware als auch für die Software.
    1. Zu wenig Platz, kein Schreibtisch oder ein fehlendes, separates Arbeitszimmer schränkt Mitarbeiter im Home-Office ein. Viele Beschäftigte lesen E-Mails im Bett oder klappen den Laptop am Küchentisch auf. Ergonomisches Sitzen ist dann auch häufig Fehlanzeige und das führt zu Verspannungen und Rücken- oder Nackenschmerzen.
    2. Doppelbelastung durch Beruf und private Verpflichtungen sind häufig ein Problem für Beschäftige im Home-Office. Wenn Arbeit und Privates verschwimmen, räumliche Distanz fehlt und das Arbeiten im Home-Office zu Mehrbelastungen führt, führen private Aufgaben zu Druck und Überforderung.
    3. In vielen Schweizer Firmen herrscht nach wie vor eine starke Präsenzkultur und das Home-Office kann schnell zum Karrierekiller werden. Egal, wie produktiv der Beschäftigte ist, die Leistung zu Hause wird im Vergleich zu den Kollegen im Büro oftmals als weniger hoch angesehen.
    4. Die räumliche Distanz erschwert häufig die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten, aber auch mit Kunden und Lieferanten. Für jede Abstimmung muss entweder eine E-Mail verfasst oder zum Telefon gegriffen werden. Via Video-Meetings kommt es häufig zu Missverständnissen durch missinterpretierte Antworten oder Reaktionen.
    5. Viele Beschäftigte fühlen sich im Home-Office einsam, ihnen fehlt der Kontakt zu Kollegen. Der zwischenmenschliche Austausch trägt erheblich zur Arbeitszufriedenheit bei. Fehlt die soziale Komponente, wirkt sich das Home-Office negativ aus. Auch das Teambuilding leidet unter der räumlichen Distanz, was die erfolgreiche Zusammenarbeit an Projekten häufig behindert.

    ​Home-Office am Limit

    Die Selbstregulation ist ein wesentliches Merkmal für die erfolgreiche Arbeit im Home-Office. Nicht jedem liegt aber diese Eigenschaft und so passiert es schnell, dass man abgelenkt ist oder mal eben etwas im Haushalt erledigt. Ablenkungen benötigen viel intrinsische Motivation und Disziplin, um trotzdem auf die Arbeit konzentriert zu bleiben.

    Online-Meetings sind inzwischen viele Mitarbeiter leid, sie langweiligen sich am heimischen Schreibtisch und suchen verzweifelt nach neuen Herausforderungen. Viele Beschäftigte haben Probleme, den Fokus auf die Arbeit zu richten, wenn sie im Home-Office arbeiten.

    Das Home-Office ist für viele Beschäftigte wie ein Leben am Limit. Tausende arbeiten in der Schweiz noch immer von zu Hause aus, müssen “nebenbei” aber auch noch ihre Kinder bespaßen oder durch Schulaufgaben coachen.

    ​Schweizer Unternehmen begrüßen Ende der Home-Office-Pflicht

    Bei Credit Suisse waren bisher nur rund 20 % der Mitarbeiter vor Ort, meistens handelte es sich dabei um Schalterpersonal. Doch nun werden rund 40 % der Belegschaft zurück im Büro erwartet. Bei Roche erwartet man bis zu 50 % der Mitarbeiter wieder an ihrem alten Arbeitsplatz vor Ort. Swiss Life schreibt, dass “ der informelle und persönliche Austausch ein wesentlicher Teil unserer Firmenkultur ist” und sendet damit ein klares Signal an seine Mitarbeiter.

    Die Zürcher Regierungsrätin, Carmen Walker Späh, hatte zuletzt immer stärker ein rasches Ende der verordneten Home-Office-Pflicht gefordert. Aus ihrer Sicht leiden die Läden, Restaurants und auch der öffentliche Verkehr ganz besonders unter den Regelungen für die Heimarbeit während der Pandemie.

    Dabei geht es den Städten schlechter als den Bergregionen, so Späh weiter. Zürich ist stark abhängig vom Flughafen und vom internationalen Städte- und Business-Tourismus. Die Auslastung beim Zürcher Verkehrsverbund lag vor Ende der Home-Office-Pflicht nur bei 60 bis 70 % und das Ausmaß des Defizits wird sich erst Ende des Jahres deutlich zeigen.

    Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO ging durch Corona und der Home-Office-Pflicht von einem Produktionseinbruch von etwa 25 % der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung aus. Die jüngste Corona-Welle und die damit einhergehenden Maßnahmen haben im ersten Quartal 2022 erneut Spuren hinterlassen und vor allem den Dienstleistungssektor ausgebremst.

    ​Fazit: Gesunde Wirtschaft braucht Mitarbeiter vor Ort

    Auch wenn die Schweizer Wirtschaft relativ robust durch die Pandemie gekommen ist, hat vor allem die Corona-Welle im Winter 2021/ 2022 die Schweiz härter getroffen als erwartet. Doch nun stehen die Zeichen auf kräftige Expansion, so wird allein im Bausektor durch die noch günstigen Finanzierungsbedingungen mit einer hohen Nachfrage nach Wohneigentum gerechnet. Auch Industriebauten profitieren von der guten Geschäftslage.

    Ebenso hat sich der Konsum im zweiten und dritten Quartal 2021 erholt. Hotels, Restaurants und die Veranstaltungsbranche verzeichnen eine leicht steigende Kundenfrequenz. Die Schweiz hält weiterhin Rang neun der wichtigsten Absatzmärkte und für den Schweizer Außenhandel war 2021 ein Rekordjahr. Die größten Gewinner im Außenhandel waren vorrangig der Pharmasektor und die Uhrenindustrie.

    Positive Impulse gibt es auch von der Industrie, dort zeigt sich eine hohe Kapazitätsauslastung und für das laufende Jahr werden neue Höchstwerte erwartet. Im KOF-Konjunkturbarometer zeigt sich ebenfalls, dass die Schweizer Unternehmen mit Wachstum rechnen, und das trotz internationaler Preisanstiege.

    Das kann aber nur mit Mitarbeitern gelingen, und zwar mit einem Großteil von ihnen vor Ort. Denn wer produziert sonst die Güter, die die Schweizer kaufen wollen? Wer geht in den Betrieb, um Elemente und Baustoffe für den Bausektor zu fertigen? Und wer bedient im Restaurant oder begrüßt die Gäste im Hotel? Wo sind die Außendienstler, die den B2B-Markt bedienen und für Nachschub in den Regalen der Fachhändler sorgen? In allen diesen Bereiche braucht es Personal vor Ort und nicht im Home-Office.

    Home-Office ist nützlich und sinnvoll, hat aber auch seine Grenzen und Hemmnisse. Vor allem dürfen nicht die Sektoren vergessen werden, in denen Beschäftigte vor Ort ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Hier braucht es eine hohe Anzahl Mitarbeiter, die ins Büro zurückkehren. Ihre Anwesenheit wird sich unmittelbar auf die Bilanzen der Unternehmen auswirken und das stärkt die Schweizer Wirtschaft nachhaltig.