Industrie 4.0 und die Möglichkeiten europäischer Zusammenarbeit

Industrie 4.0 und die Möglichkeiten europäischer Zusammenarbeit

    Der Begriff Industrie 4.0 bezeichnet einen Prozess, der die gesamte Wertschöpfungskette betrifft. Von der Produktion, über die Lieferung, bis hin zur Kundenkommunikation – alle industriellen Abläufe werden mit dem Internet verknüpft.

    Klassische Produktion und Digitalisierung verknüpfen sich zu einem Prozess, der effektiver, flexibler und billiger ist. Vor allem für die industriell gut aufgestellten Länder Europas bietet die Industrie 4.0 damit gute Chancen für die Zukunft.

    So können beispielsweise Fabriken sich verkleinern und dadurch regionaler angesiedelt werden, um Lieferwege zu verkürzen.

    Der Prozess der Digitalisierung ist ein globales Phänomen, das nicht an nationale Grenzen gebunden ist. Jegliche Maßnahmen von Politik und Industrie sind daher nur effektiv, wenn sie international gedacht werden.

    Eine europäische Kooperation im Bereich Industrie 4.0, über nationale Grenzen hinweg, kann eine Möglichkeit sein, sich im Wettbewerb mit anderen Ländern, wie den USA und China, besser zu positionieren.

    Grenzenlose Vernetzung in Europa – Herausforderungen und Chancen für Unternehmen

    Betriebliche Prozesse sind eng miteinander verknüpft – durch das Voranschreiten der Industrie 4.0 und dem Internet of Things (IoT) wird sich dieser Trend verstärken. Das erfordert in zunehmendem Maße neue Methoden der Zusammenarbeit von Unternehmen, insbesondere über die Grenzen einzelner Länder hinaus. Unternehmen können von gemeinsamen Lösungen europäischer Länder profitieren. Im Handel und in der Produktion.

    Doch welche Maßnahmen sind nötig, um eine europäische Zusammenarbeit voranzutreiben? Kooperationen bieten nicht nur die Chance auf effektive Produktionsprozesse und das Nutzen von Synergien. Unternehmen befürchten unter anderem, dass exklusives Wissen und Wertschöpfung abfließen könnten.

    Mittlere und große Unternehmen arbeiten heute häufig von verschiedenen Standorten aus, verteilt über mehrere europäische Länder. An allen Standorten soll die Qualität der Produktion auf gleichbleibendem Qualitätsniveau stattfinden. Dafür ist eine enge Verzahnung der Produktionsprozesse durch digitale Möglichkeiten von hohem Nutzen.

    Die Produktionsabläufe sind so überall auf einem identischen Level und die Effizienz wird gesteigert. Ein erfolgreiches Beispiel für eine solche europäische Kooperation ist das „Swedish-German Testbed for Smart Production“, ein Projekt des Fraunhofer Instituts für KMU.

    Vernetzte Produktionsanlagen über nationale Grenzen hinaus erleichtern den Aufbau so genannter „Smart Factories“: Kleiner, intelligenter Fabriken in Kundennähe, die effizient arbeiten und verkürzte Lieferwege haben.

    Der Automobilkonzern Mercedes-Benz arbeitet derzeit daran, alle Fabrikationsprozesse zu vernetzen. Ziel ist die komplette Transformation aller Arbeitsprozesse in eine „Smart Factory“. Dabei wird in Produktionsprozessen bereits mit Augmented und Virtual Reality gearbeitet, um technische Machbarkeit von Abläufen vorab zu simulieren.

    In großer Zahl haben besonders KMU die Vorteile der Industrie 4.0 noch nicht für sich entdecken können. Das ist zum einen mit fehlenden Ressourcen der Unternehmen zu erklären, personell und finanziell. Zum anderen sind bisher fehlende Standards und einheitliche Bezeichnungen in wesentlichen Technologien ein Grund, warum in mittelständischen Unternehmen wenig mit digitalisierten Produktionsabläufen gearbeitet wird.

    Es fehlen bis heute einheitliche Standards, klare Datenschutzrichtlinien und eine europäische Datensicherheitskooperation.

    Pläne der Politik für die europäische Industrie 4.0

    Die aktuelle Strategie der Europäischen Kommission bezüglich Digitalisierung und Industrie 4.0 sieht vor, den digitalen Binnenmarkt Europas unter anderem durch umfangreiche Investitionen in den Bereichen künstliche Intelligenz, 5G sowie Daten- und Metadatenanalytik zu fördern.

    Ziel der geplanten Investitionen ist, dass mehr Organisationen auf Big Data und Cloud-Computing-Dienste setzen, um Arbeitsprozesse zu beschleunigen.

    Wesentliche Voraussetzung für eine Infrastruktur, die die Ausbreitung der Digitalisierung in der europäischen Industrie ermöglichen kann, ist der flächendeckende Ausbau der Breitbandverbindung.

    Der 5G-Standard muss möglichst bald erreicht werden, insbesondere in ländlichen Regionen. So kann auch kleinen und mittleren Unternehmen der Einstieg in die Produktionsbedingungen der Industrie 4.0 zu erleichtert werden.

    Des Weiteren ist der Abbau bürokratischer Hürden für eine europäische Kooperation im digitalen Bereich essentiell. Bestehende schweizerische und europäische Regularien des Binnenmarktes müssen überprüft werden, ob sie den Entwicklungen der Industrie 4.0 nicht im Wege stehen.

    Um zu vermeiden, dass einzelne Länder oder Konzerne auf individuelle Maßnahmen setzen und so den digitalen Einstieg für KMU erschweren, muss eine internationale Standardisierung von Begriffen, Formaten und Schnittstellen eingeführt werden.

    Zusätzlich müssen der Austausch und der Handel zwischen den europäischen Ländern abgesichert stattfinden können. Ein europaweit geltendes System zur Sicherheit im Cyberspace das vereinfachen. Insbesondere kleinere Unternehmen hätten sonst Probleme, die jeweilig geltenden Sicherheitsrichtlinien der einzelnen Länder zu erfüllen.

    Es muss außerdem klar geregelt sein, wie gleichzeitig Austausch ermöglicht werden und geistiges Eigentum geschützt werden kann. Dafür müssen neue Gesetze und Regelungen geschaffen werden, die an das digitale Arbeiten und Produzieren angepasst sind. Dies sieht der Aktionsplan der Europäischen Kommission vor.

    Besonders KMU brauchen gezielte Unterstützung, um wettbewerbsfähig für die Industrie 4.0 zu werden. Hier sollen in Zukunft besondere Förderprogramme für den Mittelstand eingeführt werden, die dies ermöglichen.

    Die Unternehmen Europas, insbesondere KMU, können von einer strukturell angelegten Kooperation europäischer Länder profitieren. Grundlage dieser Zusammenarbeit muss der vereinfachte Einstieg durch europaweit geltende Standards, gesicherter Austausch von Wissen und der Ausbau bzw. die Förderung der nötigen infrastrukturellen Voraussetzungen sein.